Lohnt sich BIM für kleine Planungsbüros – und wann noch nicht?

BIM wird häufig als notwendiger nächster Schritt für Planungsbüros dargestellt. Doch gerade für kleinere Architektur- und Ingenieurbüros ist die Einführung mit Investitionen, Lernaufwand und organisatorischen Veränderungen verbunden.

Die ehrliche Antwort lautet deshalb: BIM lohnt sich nicht automatisch. Entscheidend ist nicht die Größe des Büros, sondern ob BIM ein konkretes Problem löst und ob das Team die neue Arbeitsweise tatsächlich umsetzen kann.

Wann sich BIM noch nicht lohnt

1. Es gibt kein konkretes Ziel

„Wir müssen jetzt auch BIM machen“ ist kein ausreichendes Ziel. Vor der Einführung sollte klar sein, was verbessert werden soll, zum Beispiel:

  • die Koordination mit Fachplanern,
  • der Austausch von IFC-Modellen,
  • die Modellqualität,
  • die Nachverfolgung von Planungsproblemen,
  • die Erfüllung konkreter Auftraggeberanforderungen.

Ohne ein klares Ziel besteht die Gefahr, dass das Büro Software kauft, Schulungen bucht und neue Prozesse beginnt, ohne später beurteilen zu können, ob sich der Aufwand gelohnt hat.

2. BIM wird mit dem Kauf einer Software gleichgesetzt

Eine BIM-fähige Software ist ein Werkzeug – aber noch keine funktionierende BIM-Arbeitsweise. Zusätzlich müssen Verantwortlichkeiten, Modellierungsregeln, Datenaustausch und Prüfprozesse geklärt werden.

Wenn diese organisatorischen Fragen offenbleiben, wird häufig nur dreidimensional modelliert. Das kann bereits nützlich sein, ist aber nicht automatisch ein koordinierter BIM-Prozess.

3. Das Team hat keine Zeit für die Einführung

BIM kann langfristig Abläufe verbessern. In der Einführungsphase entsteht jedoch zunächst zusätzlicher Aufwand: Mitarbeitende müssen lernen, Arbeitsweisen werden angepasst und erste Standards entwickelt.

Befindet sich das gesamte Team bereits dauerhaft an der Belastungsgrenze, ist ein sofortiger Start in einem komplexen Kundenprojekt riskant. Dann kann es sinnvoller sein, zuerst Kapazitäten zu schaffen oder an einem abgeschlossenen beziehungsweise internen Projekt zu üben.

4. Die Geschäftsführung will BIM, das Team aber nicht

Eine Einführung von oben, bei der die späteren Anwender kaum einbezogen werden, führt leicht zu Widerstand. Umgekehrt reicht auch eine einzelne motivierte Mitarbeiterin oder ein einzelner motivierter Mitarbeiter nicht aus, wenn Entscheidungen und Ressourcen von der Geschäftsführung nicht unterstützt werden.

BIM Deutschland bezeichnet die Einführung deshalb nicht als reines Softwareprojekt, sondern als Veränderung von Prozessen, Zusammenarbeit und Denkweisen. Geschäftsführung und Mitarbeitende müssen unterschiedliche Rollen übernehmen, aber ein gemeinsames Ziel verfolgen. BIM Deutschland: BIM im Planungsbüro.

Wann BIM für ein kleines Planungsbüro sinnvoll sein kann

1. Auftraggeber oder Projektpartner erwarten BIM-Leistungen

Wenn Ausschreibungen, AIA oder Projektvereinbarungen digitale Modelle, bestimmte Informationen oder definierte Austauschprozesse verlangen, wird BIM-Kompetenz zu einer Voraussetzung für die Projektteilnahme.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Büro sofort alle denkbaren BIM-Anwendungsfälle beherrschen muss. Wichtig ist zunächst, die tatsächlichen Anforderungen eines Projekts zu verstehen: Was soll geliefert werden, in welchem Format, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Informationsgehalt?

2. Die Abstimmung mit Fachplanern verursacht regelmäßig Probleme

Unterschiedliche Planstände, unklare Zuständigkeiten und Kommentare in langen E-Mail-Verläufen kosten Zeit und erhöhen das Fehlerrisiko.

Ein definierter IFC-Workflow und ein strukturiertes Issues-Management können die Zusammenarbeit transparenter machen. Dabei werden Probleme direkt am Modell dokumentiert, Verantwortlichen zugeordnet und nachvollziehbar bearbeitet.

Der Nutzen entsteht aber nur, wenn alle Beteiligten den vereinbarten Prozess anwenden. Eine Koordinationsplattform allein beseitigt kein Kommunikationsproblem.

3. Das Büro arbeitet bereits in 3D, nutzt die Modelle aber kaum weiter

Viele Büros modellieren bereits dreidimensional, ohne die vorhandenen Informationen konsequent für Austausch, Prüfung oder Koordination zu nutzen.

In dieser Situation muss die BIM-Einführung nicht bei null beginnen. Oft geht es zunächst darum, vorhandene Arbeitsweisen zu analysieren, Modelle sauber zu strukturieren und einen verlässlichen Austauschprozess aufzubauen.

4. Wissen hängt an einzelnen Personen

Wenn nur eine Person weiß, wie Modelle aufgebaut, exportiert oder geprüft werden, entsteht ein organisatorisches Risiko. Urlaub, Krankheit oder Personalwechsel können den gesamten Ablauf beeinträchtigen.

Gemeinsame Bürostandards, dokumentierte Prozesse und Schulungen helfen dabei, Wissen im Team zu verankern. Gerade in kleinen Büros sollten diese Standards jedoch einfach und praxistauglich bleiben.

5. Das Büro möchte neue Projekte oder Auftraggeber erreichen

BIM-Kompetenz kann den Zugang zu Projekten erleichtern, in denen modellbasierte Zusammenarbeit gefordert wird. Sie ist jedoch keine Garantie für neue Aufträge.

Vor größeren Investitionen sollte deshalb geprüft werden, wie relevant BIM im tatsächlichen Markt des Büros ist:

  • Fordern bestehende Kunden bereits BIM-Leistungen?
  • Welche Anforderungen erscheinen in passenden Ausschreibungen?
  • Fragen Projektpartner nach IFC-Modellen?
  • Welche Leistungen kann das Büro realistisch anbieten?

Welche Kosten häufig unterschätzt werden

Die Kosten einer BIM-Einführung bestehen nicht nur aus Softwarelizenzen. Berücksichtigt werden sollten auch:

  • geeignete Hardware,
  • Schulungen,
  • interne Lern- und Testzeiten,
  • Entwicklung von Bürostandards,
  • Anpassung vorhandener Prozesse,
  • Begleitung des ersten Pilotprojekts,
  • laufende Modellprüfung und Qualitätssicherung.

Gleichzeitig sollten mögliche Vorteile nicht pauschal behauptet, sondern am konkreten Pilotprojekt gemessen werden. Sinnvolle Kriterien können sein:

  • Wie viele Abstimmungsschleifen waren notwendig?
  • Wie lange dauerte ein IFC-Export einschließlich Korrekturen?
  • Welche Modellfehler wurden vor der Übergabe erkannt?
  • Wie viele Probleme blieben ohne eindeutige Zuständigkeit offen?
  • Konnte das Team den vereinbarten Ablauf selbstständig anwenden?

Erst mit solchen Beobachtungen lässt sich beurteilen, ob BIM für das eigene Büro wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist.

Wie ein kleiner Einstieg aussehen kann

Eine BIM-Einführung muss nicht mit einem Großprojekt beginnen. Ein überschaubarer Einstieg kann aus fünf Schritten bestehen:

  1. Ausgangslage analysieren: Welche Software, Kenntnisse und Prozesse sind bereits vorhanden?
  2. Konkretes Ziel festlegen: Welches Problem soll zuerst gelöst werden?
  3. Geeignetes Pilotprojekt auswählen: Das Projekt sollte überschaubar sein und Raum zum Lernen lassen.
  4. Team vorbereiten: Rollen, Austauschformate, Modellierungsregeln und Prüfprozesse werden vorab geklärt.
  5. Ergebnisse auswerten: Erfahrungen werden dokumentiert und in einfache Bürostandards übertragen.

Auch BIM Deutschland empfiehlt eine realistische Bestandsaufnahme, ein überschaubares Pilotprojekt und die schrittweise Entwicklung interner Standards. Erste Schritte für den BIM-Einstieg

Fazit: Nicht die Bürogröße entscheidet

BIM kann sich auch für ein kleines Architektur- oder Ingenieurbüro lohnen – besonders dann, wenn konkrete Anforderungen, wiederkehrende Koordinationsprobleme oder strategische Projektziele vorhanden sind.

Noch nicht sinnvoll ist eine umfassende Einführung, wenn das Ziel unklar ist, das Team keine Kapazitäten hat oder BIM lediglich als neues Softwareprodukt verstanden wird.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Brauchen wir BIM?“ Sondern: „Welches konkrete Problem wollen wir mit BIM besser lösen?“

Eine Büroanalyse kann helfen, den aktuellen Stand realistisch einzuordnen und einen passenden Einstieg festzulegen. Dabei werden vorhandene Kenntnisse, Software, Teamstruktur und Arbeitsprozesse betrachtet. Das Ergebnis ist kein allgemeines BIM-Konzept, sondern ein Fahrplan, der zu den tatsächlichen Voraussetzungen des Büros passt.

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